| Workshop: Die posturale Taktik in Theorie und Praxis |
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Die posturale Taktik in Theorie und Praxis (Dr. Antonio Fimiani) Aus biomechanischer Sicht lässt sich das Stehen auf unbewegten Füßen mit dem Aufrechterhalten des Gleichgewichts eines mehrgelenkigen, mehrsegmentigen, in sich instabilen Gebäudes vergleichen. Diese Instabilität ist auf der Ebene jedes einzelnen der wichtigsten Körpersegmente und beim Auftreten auf dem Boden zu beobachten und auf die Unregelmäßigkeiten der Steuerung der Muskeln zurückzuführen, die der Aufrechterhaltung der intersegmentären posturalen Anordnung dienen. Der aufrecht stehende und unbewegte Mensch verhält sich wie ein invertiertes Pendel, das um die Knöchelachse schwingt und stets nach vorne ausschlägt; seine Schwerkraftvertikale fällt in Bezug auf die Knöchelachse stets nach vorne. Auf der Ebene jedes einzelnen Gelenks sorgen gewisse posturale Aktivitäten, über sukzessive Korrekturen, dass der Körper nur minimal von der gewählten Haltung abweicht. Die Bilanz dieser geregelten Aktivitäten drückt sich in der Beibehaltung des Körpermassenmittelpunkts (KMP) aus, der, entsprechend den Gesetzen der allgemeinen Mechanik, in einem Gravitationsfeld stets innerhalb des Stützpolygons zu liegen kommt. Die Resultierende der Schwerkraft, kombiniert mit den Kräften der posturalen Muskeln, ist mittels einer Kraftplattform, auf welcher eine Versuchsperson steht, sehr einfach zu beobachten. Dies wurde von Normes (1985) und Guidetti (1989) anhand verschiedener Methoden nachgewiesen. Es ist dies die einzige ökonomische Strategie, die unser System wählen kann, indem es die Anzahl der in der Dynamik der Bewegung zu kontrollierenden Freiheitsgrade reduziert. Der Schwerpunkt im aufgerichteten Körper befindet sich weit oben, ein wenig weiter vorne in Bezug auf den dritten Lendenwirbel über dem Becken und die Fußsohle trägt hierbei das Gesamtgewicht allein auf ihrer engen Oberfläche. Je nach Situation wird der Organismus aktiv und wählt verschiedene Strategien für die Kontrolle der Körperhaltung. Die beiden amerikanischen Wissenschaftler Nashner und McCollum haben 1985 anhand der Strategie des Knöchels nachgewiesen, dass das Gewicht einer Versuchsperson, das auf den Schwerpunkt wirkt, sich in zwei Kräfte aufteilt: die eine Kraft hebt sich durch die Gegenwirkung der Reaktionskraft der Knochenstrukturen auf; die andere erzeugt eine Kraft auf der Sprunggelenksachse, durch die die Versuchsperson nach vorne zu fallen droht. Diese Kraft wird durch eine gleich starke, entgegen gerichtete Kraft wieder aufgehoben, die auf die Anspannung der hinteren Beinmuskulatur zurückzuführen ist. Stehen die Füße einer Versuchsperson auf einem stabilen Untergrund, so sorgt der den Fuß als Ganzes konstituierende Hebelarm, dass die Rotationsachse auf der Ebene des Sprunggelenks liegt. Das heißt, die Versuchsperson verhält sich wie ein invertiertes Pendel, das um die Sprunggelenksachse schwingt. Nashner stellte noch eine weitere Hypothese auf: die Hypothese einer Strategie der Hüfte. Diese besagt, dass beim Auftreten der Füße auf einem schmalen oder instabilen Untergrund, die Versuchsperson die Beckenposition verändert, um ihre Schwerkraftvertikale innerhalb dieses engen Stützpolygons zu halten. Diese Strategie ist für ältere Versuchspersonen charakteristisch. Antonio Fimiani 
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