Workshop: Die "globale Reprogrammierung desHaltungssystems"

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Die "globale Reprogrammierung desHaltungssystems" - Die andere therapeutische Vorgehensweise in der Posturologie
(Dr. Marianne Feldmeier)

Die „posturale Reprogrammierung“ bzw. „Rekalibrierung“ ist eine an die Posturologie angepasste therapeutische Vorgehensweise.
Sie berücksichtigt alle Einflüsse auf die Körperhaltung.
Die Hauptrezeptoren des Haltungssystems werden bei dieser Therapie als exterozeptive, propriozeptive und reflexartige Eingänge zum ZNS gesehen und mit neuen Informationen versorgt.
Durch diese neuen Informationen (elektrische Impulse) werden die bisherigen Fehladaptationen neutralisiert, so dass es dem Haltungssystem möglich wird, sich zu reprogrammieren bzw. rekalibrieren.     
Ziel dieser Therapie ist es, dem Körper wieder zu einer schmerzfreien, gleichmäßigen Bewegung seiner Gelenke und Muskeln zu verhelfen.
Dies schließt auch das stomatognathe System mit ein, da jede Änderung der Körperhaltung auch den Zahn-Kieferrezeptor beeinflusst.

Der menschliche Körper ist ein Wunder an posturaler Reaktivität, d.h. Anpassungsfähigkeit. Umgekehrt wie ein Pendel schwingt der Körper frei um seinen Körperschwerpunkt. Jede Abweichung der Kopf- und Körperhaltung von diesem Schwerpunkt löst eine Kette von reflektorischen neuromuskulären Anpassungsreaktionen aus.
Die Schwerkraft wird dabei vom Moment der Geburt an als physikalische Konstante integriert. So entwickelt das Nervensystem im Lauf der ersten Lebensjahre eigene Reflexmechanismen, die uns Menschen den aufrechten Stand und Gang trotz Schwerkraft ermöglichen.
Die Forschungsarbeiten von Prof. J.P.Roll, französischer Neurophysiologe an der Université Aix-Marseille und Leiter des Laboratoire de Neurobiologie Humaine in den 80iger konnten reproduzierbar den Einfluss von schwachen Vibrationsreizen vor allem an den Augen-, Unterschenkel- und Fußmuskeln auf die Körperhaltung nachweisen.
Auf diese Vibrationsreize reagierten die jeweiligen Muskelspindeln mit einer Erhöhung ihrer eigenen Impulsfrequenz und zwar immer proportional zu den künstlich ausgelösten Vibrationen.
Die Richtung und Größe der Haltungsabweichung war hierbei von den jeweils gereizten Muskeln und der Vibrationsfrequenz abhängig.
Das bedeutete, je nachdem welcher Fuß und an welcher Stelle genau stimuliert wurde, wird das Gefühl ausgelöst, entweder  nach vorne oder hinten, links oder rechts zu fallen, was dementsprechend unmittelbar mit einer Haltungsänderung kompensiert wird. Das gleiche passierte bei der Stimulation der Augenmuskeln im Hinblick auf die Kopf- oder Körperhaltung.
Nach ca. 12 Monaten Behandlung war dieses »Bild« dieser neuen Körperhaltung, das heißt, dieses „neue Körperschema“,  fest im Nervensystem verankert, und die Betroffenen konnten ihre aufrechte Körperhaltung auch ohne weitere Stimulationsreize beibehalten.
Dass biologische Systeme, durch das Anlegen einer elektrischen Spannung in Schwingungen versetzt werden können, ist seit dem 18. Jahrhundert (1780) durch den Froschschenkelversuch von Luigi Galvani, Professor für Anatomie und Gynäkologie aus Bologna, bekannt.
Auf diesen neurophysiologischen Grundlagen basiert die andere therapeutische Vorgehensweise Bricots, um  schmerzbedingte Fehlhaltungen bzw. Muskelasymmetrien zu beseitigen. Denn  mit diesem anderen Ansatz ist es möglich, dem Gehirn und den Muskeln eine neue bzw. optimale  Körperhaltung regelrecht wieder beizubringen, wodurch der Betroffene seine Beschwerde - und Schmerzfreiheit zurückerlangt.
Durch die ursächliche Behandlung der gestörten Rezeptoren lässt sich die Reprogrammierung bzw. Rekalibrierung des Haltungssystems nachweisbar auch auf lange Sicht stabilisieren.

Dr. Marianne Feldmeier
 


  • Studium der Medizin in Münster
  • seit 1993 in eigener Praxis
  • seit 1997 schmerztherapeutische Privatpraxis
  • seit 2006 Schülerin von Prof. B. Bricot
  • Gründungsmitgl. d. Ärzteforums für Akupunktur
  • 2007 bis 2009 1. Vorsitzende der Deutschen Ärzte-Gesellschaft für Posturologie e.V.
  • Fachärztin f. Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Chirotherapie
  • Schwerpunktpraxis für ganzheitl. Schmerztherapie, Akupunktur, Posturologie, Störfelddiagnostik, Manuelle Medizin/Chirotherapie, Aku-Taping und Neuraltherapie
  • Publikationen und Vorträge u.a. in den Bereichen Akupunktur, Posturologie

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