Der Journal Impact Faktor auf dem Prüfstand der Wissenschaftsforschung

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Der Journal Impact Faktor auf dem Prüfstand der Wissenschaftsforschung (Univ.-Prof. Dr. Gerhard Fröhlich)

Fast alle reden von ihm; viele hätten gerne einen höheren; kaum einer weiß, wie er berechnet wird. Die Rede ist vom sogenannten "Journal Impact Factor (JIF)" des Medienkonzerns Thomson-Reuters. Der JIF ist die in der Evaluation wissenschaftlicher Leistungen wirkmächtigste szientometrische Kennziffer, eine Art „Börsenkurs“ wissenschaftlicher Journale (ganz grob definiert: die durchschnittliche Zitation ihrer Artikel im Datenbank-Pool von Thomson-Reuters - und nur dort - in den letzten beiden Jahren). Doch die Kritik wird immer massiver, denn in den letzten Jahren traf es auch Mächtige: Etwa wurde das zentrale Paper zur Entschlüsselung des Humangenoms nicht als "hot paper" eingestuft (=als ein Artikel, der Rekordwerte an Zitaten hervorruft). Recherchen des betroffenen britischen Journals "Nature" zeigten schwere Fehler und Verzerrungen in den Prozeduren. Der JIF beeinflusst auch massiv das Verhalten von ForscherInnen: So bestraft eine JIF-basierte Evaluation das Publizieren von bloß regionalen Problemen, von Publikationen in anderen Sprachen als Englisch oder von klinischen Studien. Fazit: Der JIF ist bloß ein "willkürlich definiertes" szientometrisches Maß von vielen und nicht die heilige Kuh, für die es von vielen gehalten wird.

Prof. Dr. Gerhard Fröhlich


Institut für Philosophie und Wissenschaftstheorie der J. Kepler Universität Linz habilitiert in Kulturtheorie und Wissenschaftsforschung Schwerpunkte in Lehre und Forschung:

  • Wissenschaftsforschung: wiss. Fehlverhalten, Kritik der Evaluationsverfahren (Peer Review, Impact Faktoren)
  • Kulturtheorie: Welt-Datenbanken (mit Ingo Mörth):
  • HyperBourdieu.jku.at, HyperElias.jku.at, HyperGeertz.jku.at.
  • Hg. (mit Boike Rehbein): Handbuch Bourdieu. Metzler 2009.
  • Hg: Open Access: Information: Wiss.und Praxis 60(5), 2009
  • Schriften, Vorträge, Medienreaktionen: www.iwp.jku.at/froehlich
  • Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


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