| Zu diesem Zeitpunkt erfolgte eine berührungslose magnetkinesiographische Aufzeichnung der Bewegungsmaxima des Unterkiefers mit dem Myo-Tronics K6-I System (Abb. 1), die dann später als Referenz diente (Abb. 2). Die maximale Öffnung betrug 50,7mm und erfolgte mit einer Lateralabweichung von mehr als 6mm. Die maximale Protrusion verlief ohne signifikante Lateralabweichung auf einen Betrag von 10,5mm, die maximalen Lateralbewegungen betrugen 12,2, bzw. 12,5mm. Die Protrusion und die Rechtsbewegung waren von ziehenden Schmerzen im linken Kiefergelenk begleitet. Als zweite therapeutische Linie war nun die Aufbißschiene remontiert und die Okklusion umgestellt worden, auf eine Distraktion des linken Kiefergelenkes um 1,0mm. Die zweite Kontrolle, wiederum eine Woche später, hatte jedoch keine wesentliche, weitere Verbesserung der Symptomatik mehr ergeben. Die Patientin hatte die Aufbißschiene fast durchgehend getragen, die Distraktion war jedoch nicht angenommen worden, die Okklusion wurde zwar nicht als besonders unangenehm, aber dennoch links nach wie vor als “zu hoch” empfunden. In dieser Phase stellte sich die Patientin für unsere Studie der Ohrakupunktur zur Verfügung. Zunächst erfolgte die Nadelung einiger konventioneller lokaler Punkte auf der Ohrvorderseite, nach der die Patientin subjektiv keine Veränderung feststellen konnte. Danach wurde eine Nadel in den Punkt für die muskuläre Schicht des linken Kiefergelenkes auf der Ohrrückseite plaziert, und die Patientin erfuhr eine spontane subjektive Verbesserung ihrer Symptome. Innerhalb von Sekunden gab sie an, den Unterkiefer nun erstmals wieder völlig unbeschwert bewegen zu können. Auch hatte sie nun plötzlich symmetrischen Kontakt auf ihrer Aufbißschiene, die Distraktion war nun innerhalb kürzester Zeit im Kausystem inkorporiert worden. Um diese Aussagen objektiv zu überprüfen, erfolgte eine zweite Aufzeichnung der Unterkieferbewegung (Abb. 3). Die maximale Öffnung betrug nun 54,4mm und verlief mit einer wesentlich geringeren seitlichen Abweichung von 2-3mm. Die maximale Protrusion hatte sich auf 11,6mm vergrößert und erfolgte ohne seitliche Abweichung. Die maximale Rechtsbewegung hatte sich auf 13,5mm vergrößert, die maximale Linksbewegung hatte sich nicht signifikant verändert und betrug jetzt 12,2mm. Auffällig war auch eine erhebliche Reduzierung der Mißempfindungen beim Ausführen dieser Maximalbewegungen. Dieser Befund zeigt deutlich auf, wie wichtig die Beachtung und Behandlung der muskulären Komponente bei der kraniomandibulären Funktionsstörung ist. Sie zeigt auch, welch außerordendlich wichtigen Beitrag dazu die Ohrakupunktur zu leisten im Stande ist. Ganz sicher gibt sie auch Anlaß dazu, diese Wechselspiele in Zukunft noch wesentlich detaillierter zu studieren. |   
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