Wenn Schmerzen nicht schlafen lassen

B. Losert-Bruggner - 1Master  im  International College  of  Cranio-Mandibular Orthopedics
B. Dudek - Leitende Ärztin des Bereiches Pneumologie und Schlafmedizin, Luisenkrankenhaus Lindenfells
M. Hülse - Univ.Prof., Leiter der Abteilung für Neurootologie, Universitätsklinikum Mannheim

Häufige Ursachen für schlechten, nicht erholsamen Schlaf sind Schmerzen in der Nacht. Hier spielen vor allem Wirbelsäulenbedingte Beschwerden, in Verbindung mit Kopfschmerzen oder Tinnitus, eine große Rolle. Ca. ein drittel der amerikanischen Bevölkerung leidet an Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie). Auch in Deutschland und Europa ist dieses Phänomen weit verbreitet. Eigene Untersuchungen an 708 Patienten mit craniomandibulären (CMD) und craniocervicalen (CCD) Dysfunktionen konnten zeigen, dass 33 % dieser Patienten keinen guten Schlaf auf Grund von Rücken- , Nacken- und/oder Kopfschmerzen hatten (Abb.1). Diese Beschwerden wurden über Wirbelsäulenfehlstellung hervorgerufen und standen ursächlich auch mit einer Kieferfehlstellung (CMD) und Fehlstellung im HWS-Bereich (CCD)  in Verbindung. Dem Schlafmediziner kommt diesbezüglich eine besondere Aufgabe im interdisziplinären Team zu. Denn häufig soll er diese Patienten auf Grund ihres schlechten Schlafes untersuchen und therapeutische Empfehlungen geben. Auch der Schmerztherapeut ist gefordert, denn neben der symptomatischen, medikamentösen Schmerztherapie, die unumgänglich ist für einen erholsamen Schlaf, sollte die kausale Therapie nicht vergessen werden. Es soll an Hand eines von drei Beispielen der Zusammenhang zwischen craniomandibulären - craniocervicalen Dysfunktion und Wirbelsäulenbedingte schlafstörenden Schmerzen diskutiert werden.

Kaum eingeschlafen, schmerzt der Rücken. Das Aufsuchen einer anderen Schlafposition bringt nur kurzfristig Linderung. Abermals Stellungswechsel, wieder kurzfristige Besserung und so kann es bis zum frühen Morgen gehen. Der Wecker klingelt, der geplagte Bettwälzer quält sich müde aus dem Bett, wünschte, weiter schlafen zu können, wohl wissend, dass er trotz längerem Schlaf keine Ruhe finden würde.

Ein- und Durchschlafstörungen, die unter dem Begriff der Insomnie zusammengefasst werden, treten mit großer Häufigkeit auf. Ca. ein drittel der amerikanischen Bevölkerung leiden daran. Auch in Deutschland und Europa ist dieses Phänomen weit verbreitet. Häufige Ursachen für schlechten, nicht erholsamen Schlaf sind Schmerzen in der Nacht. Hier spielen vor allem Wirbelsäulenbedingte Beschwerden, in Verbindung mit Kopfschmerzen oder Tinnitus, eine große Rolle. Eigene Untersuchungen an 708 Patienten mit craniomandibulären (CMD) und craniocervicalen (CCD) Dysfunktionen konnten zeigen, dass 231 dieser Patienten, also 33 %, keinen guten Schlaf auf Grund von Rücken-, Nacken- und/oder Kopfschmerzen hatten (Abb.1). Diese Beschwerden wurden über Wirbelsäulenfehlstellung hervorgerufen und standen ursächlich auch mit einer Kieferfehlstellung (craniomandibulären Dysfunktion = CMD) und Fehlstellung im HWS-Bereich (craniocervicalen Dys-funktion = CCD)  in Verbindung. Dem Schlafmediziner kommt diesbezüglich eine besondere Aufgabe im interdisziplinären Team zu. Denn häufig soll er diese Patienten auf Grund ihres schlechten Schlafes untersuchen und therapeutische Empfehlungen geben. Auch der Schmerztherapeut ist gefordert, denn neben der symptomatischen, medikamentösen Schmerztherapie, die unumgänglich ist für einen erholsamen Schlaf, sollte die kausale Therapie nicht vergessen werden.

Ein- und Durchschlafstörungen führen auf Grund der gestörten Schlafarchitektur zur Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen und Übellaunigkeit. Konflikte mit dem sozialen Umfeld, Familie und Beruf, sind vorprogrammiert, wenn diese Störungen länger als ein paar Tage anhalten und über Monate oder Jahre hinweg bestehen bleiben. Diese Störungen können in allen Altersgruppen auftreten. Oft ist die Ursache der Insomnie unklar. Häufig können aber auch Schmerzen, die in der Nacht auftreten, für die Schlafstörungen verantwortlich gemacht werden. Gelingt es, die Schmerzen zu unterbinden, kann wieder erholsam geschlafen werden. Rücken und Kopfschmerzen während der Nacht sind eine häufig anzutreffende Ursache für Ein- und Durchschlafstörungen. In solchen Fällen werden geeignete Bettlager, Matratzen, Kopfkissen, schlaffördernde Verhaltensregeln oder auch professionelle, symptomatische medikamentöse Schmerztherapie empfohlen. Die kausale, interdisziplinäre Betrachtung und Therapie der Wirbelsäulenprobleme sollte unbedingt mit in die Überlegungen einbezogen werden, da sich durch sie häufig das Einnehmen von Schmerz- oder Schlafmitteln erübrigt.

Beispiel aus dem Schlaflabor

Ein 42-jährigrer Patient kam wegen Sekundenschlaf am Steuer zur Schlafmedizinischen Untersuchung. Subjektive Beschwerden waren: Einschlaf- und Durchschlafstörungen. Er kann im Bett keinen Platz finden und muss somit ständig seine Position korrigieren. Anamnestisch sind bei ihm eine arterielle Hypertonie und ein Wirbelsäulenleiden festzustellen.
In der ersten Nacht (Abb. 2 vom oben beginnend) besteht eine ausreichende Grundsättigung mit etwas unruhigem Muster, ohne Entsättigungen. Man sieht eine sehr schlechte Schlafeffizienz von 38%, kein REM, sehr wenig Tiefschlaf (13,4%) und einen ständigen Wechsel zwischen Wach- und Leichtschlaf. Ferner keine Apnoen/Hypopnoen, eine unruhige Herzfrequenz, sowie kurzfristige Positionswechsel einhergehend mit nur wenig Schnarchen und einigen sowohl periodischen, als auch isolierten Beinbewegungen.

Schmerzen in der Nacht wacht er ständig auf, sodass kein REM- und nur sehr wenig Tiefschlaf erreicht werden kann.

Am nächsten Morgen berichtet der Patient, dass sein Schlaf jede Nacht so aussieht. Er machte von sich aus seine Schmerzen für den schlechten Schlaf verantwortlich, woraufhin er der entsprechenden Therapie (Ursache + medikamentöser Schmerztherapie) zugeführt wurde. Nach Beendung der Therapie hat sich der Patient zur Kontrolle vorgestellt und berichtet, dass er nachts schmerzfrei sei. Er wurde einer erneuten Polysomnographie zugeführt (2. Nachtaufzeichnung).

2. Nacht (Abb.3): Zu sehen ist eine stark instabile Sättigungskurve mit tiefen Entsättigungen und eine deutlich bessere Schlafeffizienz (81%).Es liegt dennoch zu wenig Tiefschlaf (18%) und REM (12%) vor. Zudem wurde ein schweres REM- und Rückenlage betontes Schlafapnoe-Syndrom diagnostiziert (AHI Total 28/h, in REM 41/h, in Rückenlage 39/h). Des Weiteren ist eine starke Variabilität der Herzfrequenz in den Phasen mit Apnoen festzustellen. Im Vergleich zur ersten Nacht zeigt der Patient eine deutlich ruhigere Körperlage mit weiterhin deutlichen Beinbewegungen, sowie eine Zunahme des Schnarchens. Nachdem sich die Schlafeffizienz gebessert hatte, hat sich bei dem Patienten ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom gezeigt. Dies war vorher verdeckt, da er durch die vorhandenen Schmerzen nur oberflächlich geschlafen hatte und die obstruktiv bedingte Schlafatmungsstörung nicht zu tage trat.

In der darauf folgenden Nacht wurde der Patient mit AutoCPAP versorgt, sodass eine stabile Sättigungskurve zu sehen ist (Abb.4). Es kommt auch zu einer Normalisierung der Schlafarchitektur, womit im Hypnogramm 4 komplette Schlafzyklen mit 97%iger Schlafeffizienz, mit einem Tiefschlafrebound von 45% und  REM-Rebound von 28% auftritt. Zudem zeigt sich eine deutlich ruhigere Herzfrequenz. Der Patient hat die ganze Nacht in Rückenlage, ohne Schnarchen und ohne Beinbewegungen verbracht. Man kann sagen, dass der Patient in der 3. Nacht einen physiologischen Schlaf erfahren durfte.

Dieses Beispiel zeigt, dass, wenn es gelingt die Schmerzfreiheit in der Nacht zu erreichen, der Schlaf und die Lebensqualität ansteigt. Dies ist nichts Neues und es braucht dazu nicht einmal eine wissenschaftliche Abhandlung. Jeder kann an sich selbst erfahren, wie schlecht er nach einer gestörten Nachtruhe, wodurch auch immer verursacht, „drauf ist“. Der Beitrag der Autoren möchte aber den Blick schärfen auf die kausale  Therapie von schmerzhaft organisch bedingten Schlafstörungen, die mit Wirbelsäulenbeschwerden einhergehen. So sind Rücken-, Nacken- und Kopfschmerzen häufige Ursachen von Ein- und Durchschlafstörungen. Die oft im Schlaf nur hintergründig dezent vorhandenen aber fast ständigen auftretenden nächtlichen Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule führen zu vermehrten Weckreaktionen, sodass der Schlaf fragmentiert und die Schlafarchitektur gestört wird. Die Beschwerden treten in der Regel auch tagsüber, dann häufig deutlicher und vordergründig auf. Die orthopädische Abklärung der Probleme zeigt oftmals deutliche Stellungsprobleme in der Wirbelsäule, die trotz intensiver orthopädischer, manualtherapeutischer und Krankengymnastischer Maßnahmen nicht zur Beschwerdefreiheit führen konnten, sodass zusätzlich symptomatische medikamentöse schmerztherapeutische Maßnahmen eingeleitet werden müssen, um einen erholsamen Schlaf zu erreichen.

Die nachfolgenden „Geschichten“ befassen sich mit therapieresistenten Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule, die ursächlich mit Störungen des oberen HWS-Bereiches und Störungen im Bereich der Kiefergelenke einhergegangen waren und bei denen die craniomandibuläre Dysfunktionen nicht in die therapeutischen Überlegungen einbezogen wurden. Vielen dieser Patienten konnte durch die kombinierte zahnärztliche Therapie der Kieferfehlstellung und manualtherapeutische Therapie der Haltungsstörungen geholfen werden. Die manualtherapeutische und orthopädische Behandlung von Wirbelsäulenproblemen ist auf Grund des sehr häufig auftretenden Beschwerdebildes in der westlichen Welt sehr verbreitet. Die Therapie der Kieferfehlstellung, die häufig ursächlich an den Wirbelsäulenproblemen beteiligt sind, wird oft außer Acht gelassen. So kommt es dann zu therapieresistenten Beschwerden, die, da kausal nicht therapiert, zusätzlich einer medikamentösen Schmerztherapie zugeführt werden müssen, damit wieder ein erholsamer Schlaf für diese Menschen möglich wird.

Beispiele aus der Zahnarztpraxis

Frau H, 39 Jahre: Nicht erholsamer Schlaf durch Beschwerden im Rücken

Die Patientin sucht einen Zahnarzt auf, der sich besonders der Therapie craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) gewidmet hat. Unter eine CMD versteht man eine Fehlstellung des Unterkiefers zum Oberkiefer, was als folge davon die gesamte Wirbelsäule verschieben und entsprechende Schmerzsymptome hervorrufen kann (s. Abb. 16).

Anamnestisch berichtete sie u. a. über ausgeprägte Rückenschmerzen, die durch Stehen verstärkt wurden. Sie klagte über schlechten Schlaf, häufiges Aufwachen wegen der Beschwerden im Rücken und nicht mehr Einschlafen können. Morgens wacht sie mit Rückenschmerzen und müde auf, die Leistungsfähigkeit am Tag ist deutlich eingeschränkt. Der schlechte Schlaf war aber nicht der Grund ihrer Erstkonsultation beim Zahnarzt. Ihr zahnärztliches Hilfegesuch bezog sich auf ständigen Schmerzen an den Zähnen, mal links mal rechts, mal im Ober-, mal im Unterkiefer. Außerdem klagte sie über häufige Gesichts-, Kiefer- und Kiefergelenkschmerzen. In der Vergangenheit wurden wegen der Beschwerden schon einige Zähne extrahiert, bei anderen Zähnen wurden die Zahnnerven entfernt und über Füllung des Wurzelkanals mittels spezieller Pasten versucht, die schmerzenden Zähne zu erhalten (Abb. 5). Alleine die immerwiederkehrenden Zahn-, Kiefer- und Gesichtsschmerz konnte durch die bisherigen, nur lokal auf den schmerzenden Zahn bezogenen  Maßnahmen, nicht beseitigt werden. Die Zahnschmerzen wurden durch die verspannte Kau-, Kopf- und Halsmuskulatur hervorgerufen (Abb. 15), deren Ursache wiederum in einer Kieferfehlstellung, in Verbindung mit körperlichen Haltungsstörungen (Abb. 16) zu suchen war. Beide, sowohl die Kieferfehlstellung, als auch die Wirbelsäulenprobleme haben nicht nur die Zahnschmerzen hervorgerufen, sondern auch die Rückenschmerzen in der Nacht. Deutliche Zeichen für eine Kieferfehlstellung sind engstehende Unterkieferfontzähne, Abriebflächen am Zahnschmelz, Zahnfleischrückgang, freiliegende Zahnhälse, im Seitenzahnbereich stark bogenförmiger Kurvenverlauf, Abweichung des Unterkiefers beim Öffnen, Knackgeräusche in den Kiefergelenken und Temperaturempfindlichkeit der Zähne, um nur einige markante Zeichen von craniomandibulären Dysfunktionen anzuführen (Abb. 6).

Es war geplant, über eine neuromuskulär ausgerichtete Aufbissschiene eine harmonische, störungsfreie Kauflächenbeziehung von Ober- und Unterkiefer herzustellen (Abb. 9). Durch das Tragen der Schiene kann sich die Kau-, Kopf- und Halsmuskulatur entspannen und die Wirbelsäule kann sich in einer physiologischen Position stabilisieren. Wichtig zur Ermittlung der Position für die Aufbissschiene ist eine vorausgehende Entspannung der Körper- und Kaumuskulatur. In diesem Fall wurden die ersten drei Halswirbel, die sog. Kopfgelenke, über manualtherapeutische Maßnahmen (Atlasimpulstherapie nach Arlen) entspannt. Zusätzlich erfolgte eine Entspannung der Kaumuskulatur mittels niedrigfrequente TENS-Therapie. Der Grad der Entspannung wurde über das Elektromyogramm der Kau-, Kopf- und Halsmuskulatur kontrolliert (Abb. 8a-c). Bei ruhiger, entspannter Muskulatur wurde der Biss für die Aufbissschiene ohne Fremdführung genommen. Der Patient kann, wenn die Muskulatur ruhig und der Körper in Harmonie ist, seine Position für eine physiologisch ausgerichtete Kieferzuordnung selbst einnehmen. Jede Handführung des Therapeuten würde das sehr sensible neuromuskuläre Gleichgewicht des Körpers stören.

Am 21.02.2006 wurden die Aufbissschienen eingegliedert. Direkt vor dem Eingliedern der Schienen wurde wieder der obere HWS-Bereich und die Kaumuskulatur entspannt, also die gleiche Körper- und Muskelsituation, wie sie für die Bissnahme erforderlich war, hergestellt. Die Patientin erhielt zwei Schienen. Eine ganze Schiene (Abb. 9), die zum Essen und für die Nacht angefertigt wurde. Und in der gleichen Bisslage eine geteilte Schiene unter Aussparung der Frontzähne, die ansonsten immer tagsüber verwendet wurde. Durch das Freilassen der Front wird die Artikulation nicht behindert. Außerdem ist die Schiene für Außenstehende unsichtbar, sodass ein Tragen der Schiene auch während der Berufsausübung kein Problem darstellt.

Nach einer anfänglichen Erstverschlimmerung der körperlichen Beschwerden in den ersten Tagen konnte relativ schnell eine deutliche Besserung des Beschwerdebildes herbeigeführt werden. Die Patientin sagt: „Es ist so schön, wenn man morgens ohne Schmerzen und ausgeruht aufwacht“. Parallel zur Schienentherapie wurden manualtherapeutische Maßnahmen eingeleitet. Nach 4 Monaten interdisziplinär ausgerichteter Aufbissschienentherapie und vor prothetischer Versorgung durch den Hauszahnarzt waren keine Zahnschmerzen mehr aufgetreten. Das Kiefergelenkknacken hatte sich deutlich verringert. Die Ohren schmerzten nicht mehr. Rückenschmerzen traten nicht mehr auf, weder nachts, noch tagsüber. Als Drogistin, die sehr viel stehen musste, war sie in ihrer Berufsausübung nicht mehr behindert. Da der Schlaf sehr gut war, war sie zusätzlich wieder voll beanspruchbar und leistungsfähig. Ebenfalls verschwunden waren die Schwellungen des Fußzehs und die Beschwerden in den Augenhöhlen.

Herr B, 22 Jahre: Kopfschmerzen verhindern einen erholsamen Schlaf

Der junge Mann suchte die Zahnarztpraxis wegen Kiefergelenkbeschwerden, verbunden mit Kiefergelenkknacken auf. Außerdem klagte er über ständig vorhandene Kopfschmerzen, die auch nachts nicht verschwinden und keinen erholsamen Schlaf zulassen. Morgens war er immer müde und mürrisch, tagsüber nicht Leistungsfähig, was das Fortkommen im Studium stark beeinträchtigte. Die manuelle und instrumentelle zahnärztliche Funktionsuntersuchung zeigte eine ausgeprägte craniomandibuläre und craniocervicale Dysfunktionen. Insbesondere der Tiefbiss und die Retrallage des Unterkiefers (Abb. 10, 11) führten zu Verspannungen der Kau-, Kopf- und Halsmuskulatur und zu Dysfunktionen im HWS-Bereich, die wiederum hauptverantwortlich für die Kopfschmerzen waren.

Die zahnärztliche Therapie bestand aus der Eingliederung einer Aufbissschiene im Unterkiefer, ähnlich der, wie in Abb. 9 dargestellter Schiene. Diese wurde in der neuromuskulär ausgerichteten Kieferposition angefertigt (Abb. 11). Einige Wochen nach Anpassen der Schiene traten keine Kopfschmerzen  mehr auf. Die Kiefergelenkgeräusche unterblieben, ebenso die Schmerzen in den Kiefergelenken. Er konnte gut schlafen und war morgens ausgeruht. Die soziale Interaktion mit seiner Umwelt hatte sich sehr positiv entwickelt. Ein großes Stück Lebensqualität war zurückgekehrt. Anfangs hatte er zur Stabilisierung der Kiefergelenke und des HWS-Bereiches die Schiene immer getragen, später reichte ein nächtliches Tragen der Schiene aus.

Herr K, 55 Jahre: Schlechter Schlaf durch Schmerzen in der Hüfte

Ein anderes Beispiel eines 55 Jährigen Mannes mit Kieferfehlstellung und HWS-Problemen, verbunden mit Beschwerden in der rechten Hüfte und Nacken- und Schulterschmerzen. Besonders nachts schmerzte die rechte Hüfte, sodass das Liegen auf der rechten Seite schmerzhaft und nicht möglich war. Wenn er sich aber auf die linke Seite drehte, hatte er Schwierigkeiten mit der Nasenatmung. Sein Schlaf war sehr oberflächlich und er wachte oft auf. Der Grund, den Rat des Zahnarztes zu konsultieren war auch hier natürlich nicht das Problem in der Nacht, sondern plötzlich auftretende heftige Schmerzen an fast allen Zähnen, obwohl diese keinen pathologischen Zahnbefund gezeigt haben, sehr wohl aber deutliche Zeichen einer Kieferfehlstellung vorhanden waren und ganzkörperliche Haltungsstörungen sichtbar wurden (Abb. 12, 13) .Da diese Befunde sehr oft zu Verspannung der Kau-, Kopf- und Halsmuskulatur führen und die beklagten Zahnschmerzen auslösen können (s. Abb. 15) wurde eine entsprechende Analyse und Therapie der craniomandibulären und craniocervicalen Dysfunktionen  eingeleitet.

Wie bei dem Jungen Mann zuvor wurde die neuromuskulär ausgerichtete Kieferposition ermittelt und in dieser Position eine Aufbissschiene im Oberkiefer eingegliedert. Nur dass bei Herrn K an Stelle einer einfachen Kunststoffschiene eine stabilere Schienenart in Form einer Modellgussprothese angefertigt wurde (Abb. 14).

Einige Wochen nach Eingliederung und Anpassen der Aufbissschiene traten keine Zahnschmerzen mehr auf und die Beschwerden in der rechten Hüfte waren nicht mehr vorhanden. Schlafen ist ungestört auf beiden Seiten möglich. Die linke Nase geht beim Schlafen nicht mehr zu. Anfangs wurde die Schiene auch tagsüber getragen. Nach einem halben Jahr nur noch nachts. Die letzte Befragung im November dieses Jahres, sechs Jahre nach Eingliederung der Schiene, zeigte einen stabilen Zustand. Der Schlaf war sehr gut. Die oben genannten Beschwerden waren nicht mehr aufgetreten. Probleme treten nur dann auf, wenn die Schiene über einige Tage nachts nicht getragen wird und verschwinden wieder durch verwenden der Schiene in der Nacht.

Ursachenbetrachtung der Zahnschmerzen und der schmerzbedingten Schlafstörungen – Welche Gemeinsamkeiten gibt es bei beiden?

Im Rahmen der Diskussion über das Schmerzgeschehen sind vor allem zwei Punkte zu betrachten.

  1. Wie ist es möglich, dass nach der zahnärztlichen Versorgung schmerzender Zähne der Schmerz nicht verschwindet, damit also der Zahn selbst ursächlich nicht für die Zahnschmerzen verantwortlich war?
  2. Wie ist es möglich, dass durch eine Kieferfehlstellung (craniomandibuläre Dysfunktionen = CMD) nicht nur Zahn-, Kiefer- und Kiefergelenkschmerzen ausgelöst werden können, sondern auch gravierende ganzkörperliche Störungen und Schmerzbilder, wie Rücken-, Nacken-, Becken- und Kopfschmerzen hervorgerufen oder unterstützt werden können?

Wie von Travell und Simons schon 1983 und von Jankelson 1990 beschrieben, können neuromuskuläre Störungen der Kau-, Kopf- und Halsmuskulatur Zahn- und Kieferschmerzen hervorrufen, deren Ursachen in der verspannten Muskulatur zu suchen sind und nicht in der Zahnsubstanz oder im Kieferknochen selbst. Dabei bildet die, durch eine Kieferfehlstellung unphysiologisch belastete Muskulatur sog. Triggerpunkte aus, deren Schmerzausstrahlung nicht im Muskel selbst, sondern weit entfernt davon stattfinden kann, wie z. B. im Kiefer oder in bestimmten Zahnbereichen. Craniomandibuläre Dysfunktionen führen zwangsläufig immer zu einer Störung des neuromuskulären Gleichgewichtes und zur Verspannung der Kau-, Kopf- und Halsmuskulatur (Abb. 15), was sich im manuellen Funktionsstatus in einer deutlichen Palpationsempfindlichkeit der Muskulatur und im Elektromyogramm darstellen lässt.

Da der Körper nur in seiner Gesamtheit zu betrachten ist und über Muskulatur, Sehnen, Bänder usw. von Kopf bis Fuß miteinander in Verbindung steht, wie ein Hampelmann, der beim Ziehen des Beines den Arm hebt, wirken sich Störungen an einer Stelle auch zwangsläufig an anderen Körperarealen aus. Die craniomandibuläre Region steht über Muskeln und Fascien in direkter funktioneller Verbindung mit der craniocervicalen Region, insbesondere mit dem oberen HWS-Bereich (Okziput / C1 bis C2/C3). Dieser Bereich stellt den Schnittpunkt zwischen Medizin und Zahnmedizin dar und muss von beiden Seiten gleichermaßen Beachtung finden.

Aufgrund neurophysiologischer und  muskulärer „Verknüpfungen“ ist eine Kieferfehlstellung kaum von einer HWS-Fehlstellung abgrenzbar. Hülse 2005: „Es gibt nahezu keine Blockierung im Bereich der Wirbelsäule ohne eine Blockierung im Kopfgelenksbereich. Es gibt nahezu keine Kopfgelenksblockierung ohne eine Kiefergelenksdysfunktion“. Umgekehrt kann eine Kiefergelenksdysfunktion, fortgeleitet über den oberen HWS-Bereich, zu einer Wirbelsäulenverschiebung oder Blockierung führen oder diese unterhalten (Abb. 16).

Wenn man weiterhin in die Überlegungen einbezieht, dass über die obere Halswirbelsäule alle motorischen, sensorischen und vegetativen Körperfunktionen gesteuert werden und dass eine Kieferfehlstellung (CMD) fast regelmäßig eine Fehlstellung der Halswirbelsäule (CCD) auslöst, ist gut vorstellbar, dass über eine Nichtbehandelte CMD die gesamte Körperegulation durcheinander gewirbelt werden kann und Beschwerdebilder entstehen, die ursächlich nicht mit einer CMD in Zusammenhang gebracht werden würden. Hierzu schreiben Kares, Schindler, Schöttl in Der etwas andere Kopf- und Gesichtsschmerz, International College of Cranio-Mandibular Orthopedics, 2001, S.14: „Wegen des oft unspezifischen klinischen Erscheinungsbildes wurde die CMD in den USA in einer Broschüre auch einmal „The big imposter“ genannt, der große Betrüger. Denn nicht selten äußert sie sich durch irreführende Symptome, die dann auch allzu oft nur symptomatisch behandelt werden, wie mit Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen, während die eigentliche Ursache unbekannt bleibt.“
 

Abschließende Betrachtung

Schlaf ist Ruhezeit für Geist und Körper, ohne welche wir nicht überleben könnten. Schlaf ist ein veränderter Bewusstseinzustand, der sich z.B. vom Koma durch eine prinzipielle Weckbarkeit unterscheidet. So kann man durch äußere Reize, aber auch durch innere Reize geweckt werden. Diese „Fähigkeit“ hat die Natur als Schutzmechanismus entwickelt, der für das Überleben unerlässlich ist, da wir, wie alle anderen Lebewesen jederzeit unsere Ruhephase unterbrechen können müssen, wenn unser Leben in Gefahr ist .
Der Körper gewöhnt sich an viele Reize, wie z.B. an einen andauernden Geruch, aber man wird nie den Reiz Schmerz nicht mehr wahrnehmen. Dieser stärkste Reiz signalisiert unserem Körper, dass die Funktion von mindestens einem Organ gefährdet ist. So wird der Schmerz so lange von uns wahrgenommen, bis wir die Ursache beseitigen. Das beste Beispiel ist die Wärmeeinwirkung auf die Haut, die Verbrennungen verursacht. Auch im Schlaf nehmen wir einen solch starken Reiz, wenn auch mit Verzögerung wahr.
Bei chronischen Schmerzen wie z.B. Wirbelsäulenproblemen ist schon das Einschlafen eine Qual. So fallen wir, wegen den Schmerzen und der Unruhe erst wenn wir „hundemüde“ sind in den Schlaf. Der erholsame Schlaf besteht aus 4 – 6 Schlafzyklen, die jeweils 60 bis 90 min dauern und nacheinander aus Leicht-, Tief- und REM-Schlaf bestehen. Die so genannte „Schlafarchitektur“ ist aber bei Schmerzen nicht erreichbar, da wir vorzeitig aus dem Schlaf erwachen. Teilweise geschieht dies sogar, ohne dass wir es merken, da man das Wachsein erst nach 3 Minuten wahrnimmt. So kommt es, dass vom Schmerz geplagte Menschen viel zu wenig, im Extremfall sogar gar keinen Tiefschlaf und zu wenig REM-Schlaf haben. Nach so einer Nacht wachen wir unerholt auf, was die Schmerzen noch verstärkt, so dass sich hier ein Teufelskreis bildet, der dringend zu durchbrechen ist.

Organisch bedingte Ein- und Durchschlafstörungen sind bekannt. Sie werden häufig als unabdingbar hingenommen, weil man der Ursache der nächtlichen schlafstörenden Schmerzen nicht auf die Spur kommt. Gerade bei Kopf-, Rücken-, Nacken-, Schulterschmerzen, wie auch Schwindel, Tinnitus, Ohr-, Herzbeschwerden usw.. wird selten an eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) gedacht. Noch schwieriger wird die Betrachtung des Schmerzgeschehens, wenn zusätzlich craniocervicale Dysfunktionen (CCD), also Dysfunktionen des HWS-Bereiches, insbesondere der ersten drei Halswirbel, der sog. Kopfgelenke, ursächlich an dem Geschehen beteiligt sind. Diese führen reflektorisch fast regelmäßig auch zu einer CMD. Umgekehrt kann eine craniomandibuläre Dysfunktion zu ausgeprägten Störungen des HWS-Bereiches führen. Dies muss erkannt und gemeinsam behandelt werden. Sowohl für den Zahnarzt, als auch für den HNO-Arzt, den Orthopäden, den Schlafmediziner, den Manualtherapeuten, den Osteopathen, den Schmerztherapeuten, ... ist es zwingend erforderlich, diagnostische Maßnahmen einzubringen, die es gestatten, solche Zusammenhänge transparent zu machen und im interdisziplinärem Team zu diskutieren. Nur so ist es möglich, eine, für den Patienten effektive und für die Allgemeinheit kostenentlastende Behandlung durchzuführen.
Die besondere Aufgabe des Schlafmediziners ist es, solche ursächlichen Überlegungen mit einzubeziehen, wenn er die Diagnose organisch-schmerzbedingte Schlafstörungen stellt. Oder wenn sich trotz erfolgreicher Therapie z. B. einer obstruktiven bedingten Atemstörung die Schlafarchitektur und Schlafqualität nicht verbessert, könnten schmerzbedingte Wirbelsäulenstörungen ursächlich dafür verantwortlich sein.

Literatur und Informationen aus dem Internet

Abb.1: Eigene Untersuchungen bei 708 Patienten mit Kiefergelenk- und HWS-Fehlstellungen zeigten, das 1/3 dieser Pa-tienten wegen Rücken, Nacken-, Kopfschmerzen nicht gut schlafen konnte, morgens nicht erholt und tagsüber in der Leistungsfähigkeit eingeschränkt waren.

Abb.2: Sehr schlechte Schlafeffizienz und gestörte Schlafstruktur des Patienten. Auf Grund der wirbelsäulenbedingten Schmerzen in der Nacht wacht er ständig auf, sodass kein REM- und nur sehr wenig Tiefschlaf erreicht werden kann.

Abb. 3: Aufzeichnung des Schlafverhaltens nach erfolgreicher Therapie der nächtlichen Schmerzen. Im Vergleich zur ersten Nacht deutlich ruhigere Körperlage und bessere Schlafeffizienz. Aber nun treten vorher verdeckte weitere Prob-leme auf. Sehr instabile Entsättigungskurve mit tiefen Entsättigungen, immer noch zu wenig REM- und Tiefschlaf und ein mittelschweres bis schweres Schlafapnoe-Syndrom.

Abb.4: Gesunde Schlafarchitektur mit AutoCPAP-Versorgung, 97 % Schlafeffizienz, kein Schnarch- und Apnoe-Verhalten mehr.

Abb. 5: Röntgenbefund bei Erstkonsultation. Wegen ständig auftretender Zahnschmerzen in verschiedenen Kieferregio-nen wurden in den letzen Jahren die Zähne 44, 45, 46, 16, 11, 21, 24, 25, 26 endodontisch behandelt. Der Zahn 35 wur-de extrahiert. Die Zähne 44-46 wurden wegen persistierender Beschwerden nach endodontischer Behandlung extrahiert und implantatprothetisch versorgt. Der Zahn 47 ist beherdet.

Abb. 6: Deutliche intraorale Zeichen einer Kieferfehlstellung, die neuromuskulär reflektorisch, fortgeleitet über den HWS-Bereich,  zu einer Fehlstellung der gesamten Wirbelsäule und des Beckens führen kann. Multiple Schmerzen, wie Rücken-, Kopf, Nacken-, Beinbeschwerden können so in Erscheinung treten. Diese können nicht nur den täglichen Ablauf stören, sie können auch nachts zu Schlafstörungen führen und körperlich bedingte Ein- und Durchschlafstörun-gen verursachen. Man sieht auch deutlich die Abweichung der Unterkiefermitte beim Öffnen nach links, was immer ein Zeichen für eine Verlagerung der Kiefergelenkscheiben ist. Im Wirbelsäulenbereich wäre dies stellvertretend für eine Verlagerung der Bandscheibe.

Abb. 7: Körperhaltung der Patientin im Stehen. Deutliche Kopfvorhaltung, das Ohr würde bei physiologisch ausgerichte-ter Haltung über der Schulter stehen. Eine Abweichung des Kopfes aus dem Körperlot heraus bewirkt eine beträchtliche Mehrarbeit für die Haltemuskulatur des gesamten Skelettsystems. Als Folge davon entstehen muskuläre Verspannun-gen, welche multiple Schmerzbilder hervorrufen können. Nicht nur Rücken-, Nacken- und Kopfschmerzen können dar-aus resultieren. Auch Schwindel, Tinnitus, Gesichts-, Kiefergelenk- und Zahnschmerzen treten dabei häufig auf.

Abb. 8a: Als Beispiel das Elektromyogramm eines Patienten im Ausgangszustand. Besonders auffällig ist die Verspan-nung der Schulter (LTR, RTR) und rechten vorderen Halsmuskulatur (RSM):

Abb. 8b: Elektromyogramm des gleichen Patienten, wie in Abb. 8a, aber nach Therapie des oberen HWS-Bereiches ü-ber die Atlasimpulstherapie nach Arlen und Entspannung der Kaumuskulatur mittels niedrigfrequenter TENS-Therapie. Deutliche Beruhigung der, im Ausgangszustand verspannten Muskulatur.

Abb. 8c: Beispiel für die Anordnung der Elektroden im Elektromyogramm (s. Abb. 8a,b). Nur wenn sich die Kau-, Kopf- und Halsmuskulatur in einem ruhigen, ausgeglichenen Zustand befindet, ist es sinnvoll, eine Bissnahme für die Auf-bissschiene durch zu führen. Sollten noch nennenswerte Restspannungen vorhanden sein, müssen vor der Bissnahme weitere interdisziplinär ausgerichtete Entspannungsmaßnahmen eingeleitet werden. Nur bei Entspannter Muskulatur ist es möglich, eine wirklich für den Körper des Patienten befriedigende Position für den Unterkiefer zu ermitteln. Das E-lektromyogramm ist für den Zahnarzt ein wichtiges differentialdiagnostisches Hilfsmittel zur Beurteilung der körperlichen Situation seines Patienten und zum Festlegen des therapeutischen Weges.

Abb. 9: Beispiel einer Aufbissschiene, wie sie bei der Patientin eingegliedert wurde. Die farbigen Punkte auf der Kauflä-che kenneichnen die Stopps, die nach Einschleifen der Schiene für die Stabilisierung der Wirbelsäule erforderlich sind. Die Schiene wird über die Unterkieferzähne gestülpt. Der Unterkiefer kann mit dieser Schiene so zum Oberkiefer Kontakt aufnehmen, wie es die vorher ermittelte entspannte Kieferposition vorgegeben hatte. Durch das Tragen der Schiene kann sich die Muskulatur entspannen und die Wirbelsäule physiologisch ausrichten. Das neuromuskuläre Gleichgewicht im Körper kann wieder hergestellt werden.

Abb. 10: Position der Kiefer in der gewohnheitsmäßigen Schlussbisslage vor der Entspannung der Kaumuskulatur.

Abb. 11: Nach Entspannung der Kaumuskulatur mittels niedrigfrequenter TENS-Therapie stellt sich der Unterkiefer deut-lich weiter vorne zum Oberkiefer. Diese Position wurde für die Aufbissschiene gewählt.

Abb. 12: Ausgeprägte Tief- und Deckbiss, der zu einer Kopfvorhaltung und infolge dessen zu eine HWS- und Wirbelsäu-lenverschiebung und Verspannung der gesamten Kau-, Kopf- und Halsmuskulatur führt.

Abb.13: Der Engstand der Unterkieferfrontzähne ist fast immer ein Zeichen für eine Retrallage des Unterkiefers und ne-ben dem Tiefbiss eines der wichtigsten Zeichen einer CMD/CCD.

Abb. 14: Aufbissschiene mit neuromuskulär ausgerichteten Kauflächen in Form einer Modellgussprothese. Durch das Tragen der Schiene wird der Biss gehoben und die Retrallage des Unterkiefers beseitigt, so dass sich die Kau-, Kopf- und Halsmuskulatur entspannen kann.

Abb. 15: Schmerzen an den Ober- und Unterkieferzähnen können durch die Verspannung des M. masseter, einer der Hauptkaumuskeln, hervorgerufen werden. Dabei können Zähnen schmerzen, die gesund und ursächlich nicht für den Schmerz verantwortlich sind. So können diese Verspannungen auch Kiefer- und Gesichtsschmerzen, wie auch Be-schwerden in den Ohren und Augenhöhlen auslösen. (Abb. aus Triggerpunkttafeln von R. und R. Schrottenbaum, www.nmt-schrottenbaum.de )

Abb. 16: Auswirkung einer Kiefergelenkfehlstellung  auf die Körperstatik. Aufgrund neurophysiologischer und  muskulä-rer „Verknüpfungen“ führt eine Kieferfehlstellung, weitergeleitet über den oberen HWS-Bereich zu einer Verschiebung der gesamten Wirbelsäule, des Beckens und es kann eine funktionelle Beinlängendifferenz entstehen. Umgekehrt kann eine Beinlängendifferenz oder ein Beckenschiefstand eine Kieferfehlstellung auslösen. So können multiple Beschwerde-bilder, wie Kopf-, Nacken, Schulter-, Rücken- und Beinschmerzen entstehen, bei denen ursächlich nicht an eine CMD gedacht wird. (Abb. aus Kares, Schindler, Schöttl: Der etwas andere Kopf- und Gesichtsschmerz, International College of Cranio-Mandibular Orthopedics, www.iccmo.de ) .

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Literatur

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  • Hülse M, Neuhuber W, Wolff HD (2005) Die obere Halswirbelsäule. Springer Berlin, Heidelberg
  • Hülse M, Neuhuber WL, Wolff HD (1998) Der kraniozervikale Übergang. Springer Berlin, Heidelberg
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  • Hülse M, Losert-Bruggner B, Schöttl R (2003) CMD, CCD und neuromuskulär ausgerichtete Bisslagebestimmung. Dental-praxis XX 7/8:195-208
  • Kares H, Schindler H, Schöttl R (2001) Der etwas andere Kopf- und Gesichtsschmerz. ICCMO Greiser, Rastatt
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